Presseartikel
Spielen bis die Luft raus ist
Schloß Holte-Stukenbrock (upk). „Traust du dir das zu?“, fragt Dirigent Christoph Leo den jungen Musiker und spart anschließend nicht mit Lob: „Klasse.“ Der Workshop mit 15 Mitgliedern der Big Band (BB) des Musikvereins Oerlinghausen und ebenso vielen Gästen – darunter auch Musiker ohne Big-Band-Erfahrung – ist Auftakt des OWL Jazzfestival gewesen, das am Samstag im Forum des Gymnasiums seine Premiere hatte.
Mit dabei regionale Größen wie die BB der Musikhochschule Detmold, das Hans-Hermann Rösch Septett und das Buggy Braune/ Oliver Groenewald-Quintett. Einmal rund um die Uhr wurde nach Herzenslust gejazzt. Erst kurz vor Mitternacht hieß es: Session – die Luft ist raus.
„Die Initialzündung für den Jazztag mit Musikern aus der Region war vor drei Jahren“, sagt Christoph Leo und erinnert sich noch gut an das Konzert mit der BB der Musikhochschule Detmold und dem Trinity College aus London. Für das JAZZtival habe man bewusst ein Programm zusammengestellt, dessen Bandbreite nicht nur eingefleischte Jazz-Liebhaber anspreche, so der Organisator. Er freut sich, dass auch eine örtliche Band wie das St. Johannes Jugendblasorchester Stukenbrock mit von der Partie ist. Dirigent Axel Maas hat für den einstündigen Auftritt des Blasorchesters nicht nur Marschmusik ausgewählt, sondern auch Musicalmelodien und Stücke wie „Preußens Gloria“ und „Petersburger Dixielandcontest“. Vorstandsmitglied Marion Pollmeier, die es sich nicht hat nehmen lassen, beim Konzert „ihres“ Orchesters dabei zu sein, ist begeistert. Ihr elfjähriger Sohn gehöre zum musikalischen Nachwuchs, verrät sie.
Begeistert waren auch die jungen Musiker, die zusammen mit Christoph Leo und der BB Oerlinghausen während des fast zwei-stündigen Workshops drei Big-Band-Stücke – Herbie Hancocks „Cantaloupe Island“, „Oye Comoke“ von Tito Puentes und „Spinning Wheel“ – erarbeitet hatten. Larissa Take aus Enger, die seit sieben Jahren Altsaxophon spielt und von dem Festival übers Internet erfahren hatte, war nicht wenig stolz über ihren Einsatz als Solistin. „Toll“, meinte sie knapp. Die Noten waren ihr zur Vorbereitung im Vorfeld per E-Mail zugeschickt worden.
Friedemann Bohlen, der seit Jahren in der Big Band der Musikschule Gütersloh spielt, ist über die Lokalzeitung auf den Workshop aufmerksam geworden. Es habe ihn gereizt, mal in einer anderen Band zu spielen, unter einem anderen Dirigenten, erklärte der 43-jährige Posaunist. Darüber hinaus ist er gespannt auf das gemeinsame Konzert der BBs aus Gütersloh und Oerlinghausen, das am 2. Juni unter dem Titel „Big Band Battle“ in der Alten Weberei in Gütersloh über die Bühne geht.
Nicht weit hatte es Gaby Mömerzheim. Die Schloß Holte-Stukenbrockerin spielt seit zwei Jahren Altsaxophon „ohne Big Band Erfahrung“. Sie habe es einfach mal ausprobieren wollen, erklärte die 41-Jährige. Und auch sie war rundum zufrieden.
Improvisationen am Abend
„Je später der Abend, desto mehr wird improvisiert“, erklärte Anja Martin vom Kulturamt und sah es gelassen, als bei den Konzerten am Vormittag nur wenig Stuhlreihen besetzt waren. „Das wird schon“, meinte sie mit Blick auf das hochkarätige Programm und stellte den Image-Faktor des Festivals heraus. Die Gemeinde als Veranstalter rechne mit rund 500 Besuchern.
Der kanadische Posaunist Shawn Grocott, der die „Kleine OWL-Big Band“ (18 Musiker) leitete, in der vornehmlich junge Talente spielen, war mit der Resonanz zufrieden. „Ein interessiertes Publikum“, meinte er und hatte für die Besucher Ohrwürmer wie „In The Mood“ und „Satin Doll“ sowie den Klassiker „Route 66“ mitgebracht.
Weitere Programmpunkte waren die Konzerte der BB der Musikschule Bielefeld und der Auftritt der BB Oerlinghausen plus Workshop-Teilnehmer, die mit einem „richtig satten Sound“ (O-Ton Christoph Leo) überraschten. Vielseitig war auch das Repertoire, das die Combo der Musikhochschule Detmold geleitet von Professor Oliver Groenewald präsentierte: Nahezu jede Stilrichtung wurde bedient.
Mit dem Hans-Hermann Rösch Septett stellten sich im Forum des Gymnasiums einige der renommiertesten Jazzmusiker OWLs vor: Christian Kappe (Tp), Axel Senge (Alt-Sax), Kurt Studenroth (T-Sax), Christoph Leo (Po), Jens Heisterhagen (Bass), HaHe Rösch (Piano) und Drummer Tobias Held sorgten mit Stücken wie „Billies Bounce“ von Charlie Parker ebenso für Stimmung wie durch rhythmische Experimente. Viel Freiraum für die Solisten.
Weitere Höhepunkte des Festivals: Das inspirierende Ensemble der Big Band der Musikhochschule Detmold (Leitung: Prof. Oliver Groenewald) mit Jazz vom Feinsten. Da brachten nicht nur Klassiker wie „Take The A-Train“ die Zuhörer zum Swingen. Zum Ausklang: Das Buggy Braune/Oliver Groenewald Quintett, das in der Besetzung Oliver Groenewald (Tp), Sandra Hempel (Gitarre), Buggy Braune (Piano), Phil Stehen (Bass) und Kai Busenius (Drums) Eigenkompositionen und Standards aus verschiedenen Bereichen und Epochen des Jazz präsentierte.