Presseartikel

15. August 2006, Neue Westfälische

Leichtigkeit mit Anspruch

Klassiker, ungewöhnliche Arrangements und interessante Interpretationen

Klanggewaltig: Die Instrumentalisten der OWL Big Band begeisterten mit einer geschlossenen Leistung. Im Bild zu sehen (v.r.) Neuzugang und Bariton-Saxophonistin Hannah Schwier, Gordon Schröder, André Bürder und André Kleinemeier. (Foto: Karin Prignitz)

Klanggewaltig: Die Instrumentalisten der OWL Big Band begeisterten mit einer geschlossenen Leistung. Im Bild zu sehen (v.r.) Neuzugang und Bariton-Saxophonistin Hannah Schwier, Gordon Schröder, André Bürder und André Kleinemeier. (Foto: Karin Prignitz)

Schloß Holte-Stukenbrock (kap). Das unbeständige Wetter war schuld. Nicht, wie ursprünglich geplant, im Garten des Holter Schlosses, sondern in der Aula der Grundschule Stukenbrock durften sich 120 Besucher vom satten Sound der 40-köpfigen OWL Big Band gefangen nehmenlassen.

Das Organisationsteam um Kulturamtsleiter Olaf Junker hatte sich gar nicht erst auf Experimente eingelassen, sondern frühzeitig für den in jedem Falle trockenen, wenngleich unpersönlicheren Auftrittsort entschieden. Am Sonntagnachmittag präsentierte sich der Himmel in schönstem Schlossgarten- Wetter. Doch zu spät. „Irgendwannmussten wir eine Entscheidung treffen“, rechtfertigte Junker den Schritt. Beigeordneter Bernhard Gebauer räumte ein: „Wir hatten nicht den Mut, es doch zu versuchen.“ Beiden wäre deshalb ein kleiner Regenschauer als Rechtfertigung lieb gewesen.

Zwar fehlten in der Aula die visuellen Reize, sie wurden jedoch von den musikalischen Qualitäten wettgemacht. Vom ersten bis zum letzten Ton zog die jüngere der beiden bestehenden OWL BigBand-Besetzungen das Publikum in ihren Bann. Die jungen Musiker im Alter zwischen 14 und 19 Jahren, verstärkt von Klarinettistin Leonie Gerlach (14) aus Schloß Holte-Stukenbrock, kamen aus ganz Ostwestfalen-Lippe.

Unter der engagierten Leitung von Shawn Grocott schickte das agile Ensemble trotz seiner Jugendlichkeit professionell und dennoch mit erfrischender Natürlichkeit eine breite Klangpalette in die Reihen der mitswingenden Zuhörer. Neben Klassikern wie „In The Mood“ oder dem „Girl from Ipanema“ überraschte das Ensemble mit ungewöhnlichen Arrangements und interessanten Interpretationen, die ein ums andere Mal mit Szenenapplaus belohnt wurden. Keine Einheitssoße vergossen die Big-Band-Jazzer, jedes ihrer einstudierten Stücke überraschte stattdessen durch harmonisch-exquisite klangliche Nuancen.

Bandleader Shawn Grocott hat seine Musiker in regelmäßigen Arbeitsphasen zu einem meisterhaften Ganzen geformt. Insbesondere die scheinbare Leichtigkeit, mit der die Bläser selbst schwierigste Passagen bewältigten, fordert Respekt. In unnachahmlicher Manier verstand es die Big Band zudem, die Energie des Augenblicks einzufangen und sie an das Auditorium weiterzugeben.

Dass der Funke bei bekannten Stücken ebenso übersprang, wie bei exotischen Big-Band-Arrangements, offenbarte sich im rhythmischen wippender Besucherbeine, im Kopfnicken und Fingerschnipsen. Am Ende entließen die Zuhörer die Instrumentalisten nicht ohne die geforderte Zugabe.