Presseartikel

19. Mai 2007, Westfalen-Blatt

Keine Angst vor dem Solo

Workshop mit Abschlusskonzert in der Musikschule

Hannah Schwier (19) spielt Baritonsaxophon in einer der beiden Formationen der OWL Bigband. Sie hat bei dem Improvisationsworkshop Einiges dazulernen können. (Foto: Janina Schütz)

Herford (js). Tonleitern und Skalen wurden jetzt in der Musikschule rauf und runter gespielt. Und die Teilnehmer des Improvisations-Workshops hatten ihren Spaß dabei. Denn trotzdem wurde auch richtig gegroovt.

»Hier muss niemand Angst haben falsch zu spielen«, erklärt Dozent Anselm Simon ganz zu Anfang und die Atmosphäre ist dementsprechend auch ungezwungen und locker. Da spielt es auch keine große Rolle, ob man das Instrument, in diesem Fall Saxophon, Trompete oder Posaune, erst seit zwei oder schon 20 Jahre spielt. Grundkenntnisse auf dem Instrument und auch in Musiktheorie sollten die Teilnehmer mitbringen, das Improvisieren wurde dann aber von Grund auf erklärt und jeder Fragen stellen.

»Es ist trotzdem immer ein Unterschied, ob man nun alleine für sich zu Hause im Wohnzimmer übt oder vor Leuten spielt«, beschreibt Altsaxophonistin Ina Domke ihre anfängliche Unsicherheit beim Solospielen. Die 50-Jährige hat an der Musikschule Saxophonunterricht und gehört zu den älteren Teilnehmern des Workshops. Die jüngsten Teilnehmer sind zwölf Jahre alt und alle Musiker in der Runde sind sich einig, dass sie diese Befangenheit beim Solieren kennen. Es ist ja auch eine große Herausforderung so ganz alleine zu spielen, dabei aufzustehen und wohlmöglich noch von Scheinwerfern angestrahlt zu werden.

»In jeder Fremdsprache lernt man zuerst freundlich »Hallo« zu sagen, das ist in der Musik nicht anders«, erklärt Anselm Simon, der unter anderem an der Musikhochschule Hamburg als Dozent tätig ist. Um sich in Sicherheit zu wiegen spielen die Musiker nun am Anfang ihres kleinen Solos einen lang klingenden Grundton. Und siehe da, die meisten fühlen sich gleich viel besser damit. »Wenn man erst einmal gut startet, ist der erste Schritt getan«, freut sich der sympathische Dozent über die hörbaren Fortschritte bei den Teilnehmern.

Zur gleichen Zeit plaudert derweil die andere Hälfte der Musiker zwei Etagen tiefer mit dem anderen Dozenten, Edgar Herzog, über ihre musikalische Vorbilder. Es fallen große Namen des Jazz wie Nils Landgren, Stan Getz oder John Coltrane. »Hört viel Musik und bildet euch einen eigenen Geschmack«, rät der Hamburger Saxophonist allen. »Denn man übernimmt auch unbewusst Phrasen, die man irgendwo mal gehört hat in sein eigenes Spiel.«

Nach dieser netten Unterhaltung geht es dann endlich an die Noten. Zusammen mit einer Rhythmusgruppe werden am Nachmittag Stücke aus dem aktuellen Repertoire der OWL Big Band bearbeitet. Erst einmal spielen alle zusammen und dann geht es langsam an das Erarbeiten des Solos.

Beim fulminanten Abschlusskonzert am Sonntag Abend in der Musikschule konnten die Teilnehmer zeigen, was sie gelernt haben. Und am Ende hatte dann doch niemand mehr große Angst vor dem Solo und den Akkorden.

Text und Foto: Janina Schütz