Presseartikel

22. Juni 2007, Westfalen-Blatt

Flott, erstklassig und quicklebendig

50 Jahre Jazz-Club Lübbecke – tolles Konzert »an einem Sommerabend«

Lübbecke (WB). Zum 50. Geburtstag darf es schon etwas Besonderes sein, deshalb blieb der Gewölbekeller für dieses Konzert des Jazz-Clubs ausnahmsweise einmal geschlossen. Statt dessen gab es »Jazz an einem Sommerabend« unter freiem Himmel.

Im Rahmen des Kultursommers veranstalteten der Jazz-Club Lübbecke und das »Blue Mojo« im Hof des Alten Amtsgerichtes ein »Jazz Open Air« mit drei Bands aus der Region. Den Anfang machten die Dixie Rats aus Espelkamp, die es bei wechselhaftem Wetter und vor entsprechend spärlicher Zuhörerkulisse nicht leicht hatten, für Stimmung zu sorgen.

Doch die neunköpfige Combo (Vera Finke, Niko Hass, Andreas Hansch, Britta Rohlfing, Hans-Jörg Schmidt, Dirk Berens, Anatoli Fast, Joachim Schulz und Max Grote) ließ sich dadurch nicht aus dem Takt bringen, jazzte munter drauflos und spielte quicklebendigen Dixie à la »Icecream«. »Da kann man nur staunen, was es hier im Kreis für einen Sound gibt«, so Bernd Wittemöller, Vorsitzender des Jazz-Clubs.

Dasselbe ließe sich auch über die »Jazz Group Lübbecke«, die »Hauscombo« (Wittemöller) des Jazz-Clubs, sagen, die vor allem Songs der 1930er Jahre im Programm hatte. Henning Lübking, Bernhard Uhle, Jürgen Meyer, Olaf Wittelmeyer, Jürgen Erber, Dieter Peine und Fred Theuser spielten Ohrwürmer wie »I can't give you anything but love«, »Chinatown, my Chinatown« und »All of me«, und Henning Lübking an der Trompete bereicherte den Auftritt der »Jazz Group« mit manchem gekonnten Solo.

Den krönenden Abschluss dieses Jazz-Abends bildete der Auftritt der »OWL BigBand«. »It don't mean a thing if it ain't got that swing» - diesen Duke-Ellington-Titel durfte man bei der Band getrost wörtlich nehmen, denn sie hatte ihn einfach, den Swing. Die Musik der Band, die auf Initiative der Musikschulen im Raum Ostwestfalen-Lippe gegründet wurde, klang frisch und jung. Die meisten Mitglieder sind gerade einmal 20 Jahre alt, und sie hatten sichtlich und hörbar Spaß daran, gemeinsam Jazzmusik zu machen.

Ihr Instrument beherrschten sie sowieso, sie harmonierten prächtig miteinander und hatten dabei noch ein Händchen fürs Improvisieren: beste Voraussetzungen also für einen erstklassigen Big-Band-Sound. Vier Trompeten, drei Posaunen und fünf Saxofone sorgten für satten Bläserklang, solide gegründet auf Schlagzeug, E-Bass und Piano in der Rhythmusabteilung.

Der Leiter der »OWL BigBand«, Willi Budde, präsentierte sich nicht nur als exzellenter Solist an der Trompete, sondern punktete mit seinen flotten Sprüchen auch als Conférencier, so dass dem Rundum-Vergnügen der Zuhörer nichts im Wege stand. Auch wenn es langsam kühler wurde: Mit Klassikern wie »Harlem Nocturne« oder Cole Porters »Love for Sale« und modernen Funk-Sätzen (Alan Baylocks »Two seconds to midnight«) heizte die »OWL Big-Band« zu später Stunde dem Publikum noch richtig ein.

Von Cornelia Müller