Presseartikel

15. Juni 2010, Neue Westfälische

Entspanntes Miteinander

26. Jazz Weekend lockt die Fans der Gattung zur Paderhalle

In Reihe und Glied: Die gemischtgeschlechtliche Saxophonistenriege der OWL Big Band. (Foto: Dietmar Gröbing)

In Reihe und Glied: Die gemischtgeschlechtliche Saxophonistenriege der OWL Big Band. (Foto: Dietmar Gröbing)

Paderborn (dig). Englisch war die beherrschende Sprache des Abends. Während sich bei der Fußball-WM England und die USA duellierten, setzten auch die beiden Startformatio- nen beim Jazz-Weekend auf eine anglistische Note. Und das, obwohl keine von beiden aus dem englischsprachigen Raum stammt, war die Jazz Connection doch aus den Niederlanden, die OWL Big Band aus dem näheren Umland angereist.

Entgegen ihres Kulturkreises hieß es beim veräußerten Liedgut dennoch „in english please“, schließlich ist das Englische die unumstrittene Weltsprache des Jazz. Und davon gab es am Samstag und Sonntag reichlich zu vernehmen, als das 26. Jazz Weekend vonstatten ging. Das Event bildete ein Sammelbecken für alle Fans der den Blues, Swing, Dixie, Soul und Funk umschließenden Gattung. So war es manchmal nicht ganz einfach, die Genres auseinanderzuhalten, als die 30 Hauptdarsteller in die Tasten hauten und in die Saiten griffen. Hörenswert war es allerdings immer, verleitete manchmal gar zum Tanzen wie einige Besucher eindrucksvoll verdeutlichten. Die ersten zaghaften Bewegungen ereigneten sich am Rande der OWL Big Band-Darbietung, die zugleich die quantitativ größte Musikeransammlung bot. 19 Damen und Herren lieferten einen lautstarken Beweis für die Ausnahmestellung ostwestfälischer Könnerschaft. Menschen unterschiedlicher Generationen musizierten miteinander, brachten unter der Dirigentschaft Willi Buddes unterschiedliche Ansätze und Mentalitäten ein. Resultat war eine homogene Verbindung, die breit Gefächertes von Count Basie bis Benny Golson zu Gehör brachte.

Blues und Funk mit viel Herz und Seele

Swing und Blues bildeten auch die tragenden Säulen der holländischen Formation Jazz Connection. Sechs Männer aus dem westlichen Nachbarland verteilten ihre Unterhaltungskünste unter den Gästen. Die erfreuten sich bis nach Mitternacht an einem treibenden Powerhouse-Gemisch, das zwar auf Musik aus den 40er- und 50er-Jahren setzte, bei ihrer Intonierung aber ganz im Hier und Jetzt verortet war.

Gegenwartsbezogen präsentierten sich ebenso die Soul Catchers, ein Quintett, das mit Protagonisten aus Nord- und Südamerika aufwartete. Gemäß des Bandnamens legte man viel Herz und noch mehr Seele in die aufgerufenen Blues- und Funk-Nummern. Selbige grundierten ein entspanntes Miteinander, das am Sonntag zugleich den Schlusspunkt des Jazz Weekends markierte.

von Dietmar Gröbing