Presseartikel

20. Juni 2006, Neue Westfälische

Beeindruckende Qualität

OWL-Bigband gibt im Jazz-Club ein - leider wenig beachtetes - Konzert

Lübbecke. Man hört es schon beim ersten Ton: Hier sind Musiker am Werk, die wahrlich Freude an ihrem Hobbyhaben. Die 20 Band-Mitglieder beherrschen ihr Handwerk hörbar. Sie spielen sicher, aber nicht abgeklärt, routiniert, aber nicht gelangweilt, mit viel Elan, Engagement und Liebe zur Musik.

Die „OWL BigBand“ – ein Ensemble, das sich aus jungen Musikerinnen und  Musikern aus ganz Ostwestfalen zusammensetzt – legt ihr großes Augenmerkauf das zeitgenössische Element. Und genau diese Absicht hört man der Musik auch an: Da wird nicht der „goldenen Zeit“ der Big Bands in amerikanischen Musikclubs nachgetrauert, sondern nach vorne geblickt, ins Hier und Jetzt, wobei sich durchaus auch einmal moderne Einflüsse in den Arrangements verlieren dürfen. Jetzt war die „OWL BigBand“ zu Gast im Lübbecker Jazz-Club und bot hier ihren leider viel zu wenigen Zuhörern einen Ohrenschmaus der Spitzenklasse.

Das Programm, mit dem die Formation in den Altkreis gekommen war, setzte sich neben anspruchsvollenundinteressanten Stücken von Dizzy Gillespie oder Duke Ellington, wie auch aus weniger bekannten, exotischen Bigband-Arrangements von Herbie Hancock, Pat Matgeby, Joe Zawinul oder Dusko Goykovich und etlichen eigenen Kompositionen zusammen. Viele der Songs, keiner übrigens kürzer als fünf Minuten, waren zwar von der Sorte „hat man schon einmal irgendwo gehört“ - aber doch noch nie so, noch nie in einer solchen Version. Sie klangen bekanntlichunddochirgendwie anders, erfreulicherweise erfrischend anders.

Natürlich stehen bei einer Big Band die Saxophonisten, Trompeter und Posaunisten im Vordergrund, die für die Wucht des Bläsersatzes und die Klangfarben des Orchesters zuständig sind. Die „OWL BigBand“ bot hier beeindruckende Qualität: Die Bläser sind schmetternde Passagen im Count-Basie-Stil ebenso gewachsen wie den kammermusikalischen auslotenden Klängen des Cool-Jazz. Kein Wunder, dass das Publikum am Ende mit lautstarkem Applaus seineZugaben einforderte.

Bild und Text: Patrick Menzel